Hebammenladen Manuela Nitschke - Forsterstr. 39 - 04112 Halle
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Wissen aktuell


Artikel 1)
Weniger normale Geburten

Immer mehr Babys kommen per Kaiserschnitt zur Welt. In Deutschland waren es 2006 bereits 28 Prozent aller Geburten. Der Zeitschrit Natur und Heilen zufolge konnten Geburtshelfer der Universitätsfrauenklinik Lübeck bei einer Untersuchung von 1252 Entbindungsdaten einen Grund ermitteln:

Eine "normale" Geburt rechnet sich für viele Kliniken nicht mehr.

Sie muß durch die Einnahmen bei Kaiserschnitten subventioniert werden. Das Fazit der Geburtsmediziner: "Spontangeburten stellen ein finanzielles Problem für geburtshilfliche Kliniken dar. Es ist somit nicht auszuschließen, daß wirtschaftliche Aspekte, zumindest partiell, zu einer steigenden Kaiserschnittsrate führen."

gelesen im Reformhauskurier Juni 2009 Seite 5

Artikel 2)
"Sanfter" Kaiserschnitt stärkt Mutterbindung“

Das Wohlbefinden von Mutter und Kind kann bei einer Kaiserschnittgeburt durch schonendes Vorgehen erheblich gesteigert werden. Das betonen Ärzte und Geburtshelfer des Wiener Krankenhauses Rudolfinerhaus, das bei geplanten Kaiserschnitten neue Erkenntnisse aus dem natürlichen Geburtsvorgang integriert. Wichtigstes Prinzip ist dabei die als "Bonding" bezeichnete Praxis, den direkten Kontakt zwischen Mutter und Kind direkt nach der Geburt zu ermöglichen. Dabei werden auch auf medizinische Maßnahmen verzichtet, die nicht unmittelbar notwendig sind. "Man versucht, Kind und Mutter so zu versorgen, dass der Kaiserschnitt der Vaginalgeburt ähnlicher wird", erklärt der Gynäkologe Bernhard Bartosch. Liege keine Notwendigkeit für den Kaiserschnitt vor, sei eine natürliche Geburt jedoch grundsätzlich vorzuziehen, so der Frauenmediziner.

Geburt bewusster miterleben
Eine der Änderungen bei der "sanften" Vorgangsweise ist das Abkommen von Totalanästhesien zugunsten regionaler Betäubungen per Kreuzstich. "Die Mutter kann die Geburt somit bewusster miterleben und auch selbst mitarbeiten. Stunden vor einem geplanten Eingriff wird meist ein wehenförderndes Mittel verabreicht, und auch während der Operation drückt die Hebamme auf die Gebärmutter, wodurch die Wehe nachgeahmt wird", erklärt die Anästhesistin Elisabeth Spinka. Durch das Abdrehen der OP-Lampe erblickt das Kind die normale Raumbeleuchtung als erstes Licht der Welt, was den Geburtsstress reduziert. Die Hebamme wickelt das Neugeborene in ein warmes Tuch und saugt das Fruchtwasser nur dann ab, falls dies medizinisch notwendig erscheint. Dass eine steril gekleidete Hebamme überhaupt am OP-Tisch anwesend ist und die Mutter begleitet, war bisher bei Kaiserschnitten eher nicht der Fall.

Kind kommt direkt nach Geburt zur Mutter
Sobald das Kind geboren ist, überprüft ein Kinderarzt dessen Nabelschnurblut, Muskeltonus, Farbe, Atmung und Bewegung. "Gibt es keine Probleme, kann die Nabelschnur abgeklemmt werden und auspulsieren. Gleich danach kommt das Kind bereits zur Mutter", so Bartosch. Diese zeitlich unmittelbare Nähe zwischen Mutter und Kind sei wichtig, erklärt Claudia Kopriva, Hebamme am Rudolfinerhaus. "Der erste körperliche Kontakt mit seiner Mutter ist ein entscheidender Moment für die Entwicklung des Kindes. Und auch bei der Mutter fördert er die Milchbildung und die Ausschüttung von Endorphinen, die wichtig für Schmerzlinderung und Erholung sind." Anders als bisher könne auch der Vater bei der Operation anwesend sein.

Wunde verheilt schneller
Beim "sanften" Kaiserschnitt wird zudem das Schneiden des Muskelgewebes stark reduziert. Stattdessen werden Bauchdecke und Gebärmutter durch Reißen und Dehnen des Gewebes so weit geöffnet, dass der Säugling entnommen werden kann. Bei dieser Vorgehensweise ist die Heilung der Operationswunde mit weniger Komplikationen verbunden und verläuft wesentlich schneller als nach einem Kaiserschnitt nach herkömmlicher Methode.

Entschluss zu Kaiserschnitt nicht leichtfertig treffen
"Grundsätzlich ist eine natürliche Geburt über die Vagina jedoch anzustreben", betont der Neugeborenmediziner Michael Hayde. Bestimmte Vorteile der natürlichen Geburt könne der Kaiserschnitt auch bei sanfter Durchführung nicht erreichen. "Alle Vorgänge, die während der durchschnittlich acht Stunden Wehen geschehen, fehlen dem Kind beim Kaiserschnitt. Dazu zählt etwa das Auspressen des Fruchtwassers aus der Lunge, das bei der natürlichen Geburt der Druck der Mutter erledigt." Weitere Prozesse, die das Kind während der Wehen im Uterus auf die Zeit nach der Geburt vorbereiten, seien die Ausschüttung verschiedener Hormone wie Cortison und Adrenalin. Für die Mutter solle die Entscheidung zum Kaiserschnitt auch aus eigenen gesundheitlichen Gründen nicht leichtfertig getroffen werden, wenn mit keinen Komplikationen bei einer natürlichen Geburt zu rechnen ist. "Jeder Kaiserschnitt ist eine schwere Körperverletzung, die nur aufgrund des höheren Werts des Lebens des Säuglings ungeahndet bleibt", so Hayde.

Prägung kann gestört werden
Auch kann die sensible Phase der ersten Prägung nach der Geburt durch Kaiserschnitt, Spritzen und Medikamente gestört sein. Forscher nennen die sensible Phase der allerersten frühkindlichen Prägung "Bonding". Das sind die wichtigen ersten beiden Stunden direkt nach der Geburt. Wickeln, Wiegen, Waschen sind zweitrangig. Das nackte Baby soll sofort Hautkontakt mit der Mutter spüren. Hebammen sagen, dass dann die wichtigen Mutterinstinkte geweckt werden, auch enthalte die erste Muttermilch wichtige Botenstoffe. Diese Prägung wird durch die bei der Geburt frei gesetzten Hormone unterstützt. Wird diese erste Phase gestört, können Traumata entstehen. Psychologen, Pädagogen und Hebammen führen viele spätere Verhaltensstörungen, Ängste und Verletzlichkeiten auf dieses Trauma zurück.

Ärzte lehnen Spontangeburten bei Risiken immer öfter ab
27 Prozent der Geburten werden in Österreich derzeit per Kaiserschnitt durchgeführt, großteils aus medizinischen Gründen. "Ärzte sind immer weniger bereit, bei Risiken eine Spontangeburt durchzuführen", erklärt Bartosch. Erst jede zwanzigste Kaiserschnitt-Gebärende verlangt laut offiziellen Daten den Eingriff ohne medizinische Indikation, doch dieser Anteil steigt. Ein Grund dafür sei seine geänderte Akzeptanz der Geburtsmethode in der Gesellschaft. "Früher wurden von den Ärzten medizinische Gründe oft frei erfunden, um einen Wunschkaiserschnitt zu rechtfertigen. Wenigstens wird nun mit offenen Karten gespielt", so Hayde. Bartosch sieht diese Entwicklung als Preis der fortschreitenden Entwicklung. "Die Mütter- und Kindersterblichkeit bei komplizierten Fällen konnte durch die Verbesserungen der Medizintechnik entscheidend gesenkt werden. Wenn heute ein Kaiserschnitt durchgeführt wird, so soll dieser jedoch nicht auf Kosten des Kindes geschehen. Daher sind sanfte Methoden zu bevorzugen", so der Wiener Frauenmediziner.

Erschienen am 27. April 2009 Quelle: Eltern T-online.de

Artikel 3)
innovations report
Hausgeburt so sicher wie im Spital
17.04.2009
Studie: Gleiche Sicherheit bei ausbleibenden Komplikationen
Für schwangere Frauen, bei denen ein geringes Risiko für Komplikationen bei der Geburt zu erwarten ist, ist eine geplante Hausgeburt ebenso sicher wie die Entbindung im Krankenhaus unter Aufsicht einer Geburtshelferin.
Für schwangere Frauen, bei denen ein geringes Risiko für Komplikationen bei der Geburt zu erwarten ist, ist eine geplante Hausgeburt ebenso sicher wie die Entbindung im Krankenhaus unter Aufsicht einer Geburtshelferin. Zu diesem Schluss kommt eine groß angelegte holländische Untersuchung, die 530.000 Geburten zuhause und im Spital im Zeitraum von sieben Jahren verglich. Durchgeführt wurde die im British Journal of Obstetrics and Gynaecology veröffentlichte Studie vom TNO Institute for Applied Scientific Research. Sowohl bei Spitals- als auch bei Hausgeburten lag die Sterblichkeit innerhalb der ersten 24 Stunden ab Geburt bei 0,05 Prozent. Bloß sieben von je 10.000 Neugeborenen mussten in eine Klinik gebracht werden. Unabhängig vom Geburtsort war Einlieferungs- und Sterblichkeitsrate bei den Frauen höher, die zum ersten Mal entbanden oder die bei der Geburt schon über 35 Jahre alt waren. Frauen, die eine Hausgeburt planten, waren tendenziell über 25 Jahre, hatten oft bereits Geburten hinter sich und besaßen eher einen mittleren oder höheren sozialen Status. ür die Erhebung wurden allerdings nur Frauen berücksichtigt, die zwischen der 37. und 42. Schwangerschaftswoche entbanden und denen im Vorfeld ein geringes Risiko für Geburtskomplikationen attestiert worden war. Ausgeschlossen waren somit Frauen mit frühzeitig einsetzenden oder eingeleiteten Wehen sowie bei zusätzlichen Risikofaktoren wie frühere Kaiserschnitt-Entbindungen oder Zwillingsgeburten. Zusätzliches Kriterium war auch die Betreuung durch eine Hebamme ab Beginn der Wehen.

Laut Studie hängt eine erfolgreiche Hausgeburt wesentlich von einer ausreichenden Betreuung während der Schwangerschaft ab, sowie von der Verfügbarkeit gut ausgebildeter Hebammen, eines funktionierenden Transportsystems und einer ebensolchen Nachversorgung. Diese Voraussetzungen würden der Mutter erst in Summe die Wahl des Geburtsortes ermöglichen. Sei mit Schwierigkeiten bei der Entbindung zu rechnen, sollte aus Sicherheitsgründen auf die Hausgeburt verzichtet werden, geben die Studienautoren zu bedenken.

Im Unterschied zu den meisten anderen europäischen Ländern sind in Holland Hausgeburten weit verbreitet. Jedes dritte Kind kommt hier im heimischen Umfeld in Beisein einer Hebamme zur Welt. An der Studie war der Anteil an Hausgeburten mit knapp zwei Drittel allerdings überrepräsentiert, denn bloß ein Drittel der untersuchten Mütter entschied sich für die Entbindung im Krankenhaus unter Aufsicht einer Hebamme.

Die Studie konnte zeigen, dass die vergleichsweise hohe Geburtssterblichkeit in den Niederlanden nicht mit dem hohen Prozentsatz der Hausgeburten des Landes zusammenhängt. "Die Ergebnisse belegen, dass die Hausgeburt bei gut geschulten Hebammen, der richtigen Abschätzung des Risikos sowie bei einem gut ausgebildeten Notfallssystem eine sichere Wahl ist", so die Studienleiterin Simone Buitendijk.
Johannes Pernsteiner | Quelle: pressetext.austria
Weitere Informationen: www.tno.nl

Artikel 4)

Frühe Bindungen ( Fassung nach gemeinsamer Überarbeitung am 19.01.02009)

Im Verhältnis zu den Säugetieren verlassen wir Menschen etwa 9 Monate zu früh den Körper unserer Mutter (unser Kopf könnte sonst wohl nicht geboren werden). Und wir sind mit unserem unfertigen Gehirn viel instinktunsicherer, ungeschützter, verletzlicher und für jede Art von Reizen und Ängsten offener als viele Tiere nach ihrer Geburt.

Je unfertiger ein Lebewesen ist, umso mehr wird es von seiner Umgebung beeinflusst und ist ihr ausgesetzt. Deshalb brauchen wir Menschen am Anfang unseres Lebens extrem viel Abschirmung durch unsere nächste Bezugsperson. Im vertrauensvollen Kontakt zu ihr kann uns unsere Umgebung sozusagen nichts anhaben. Wir suchen oft z. B. noch lange den schützenden Körperkontakt, gehören zu den „Traglingen“ wie unsere Affenhalbgeschwister. Unser Bedürfnis nach Sicherheit ist riesengross.

Und wir sind schon als Winzlinge selbst bemüht, die Beziehung zu unserer Schutzperson bauen zu helfen. Wir setzen alles daran, von ihr beachtet und verstanden zu werden. Wenn das gelingt – in dem Tempo und mit den Pausen, die wir als so Kleine immer brauchen, und in der Art und Weise, wie es gerade für uns jetzt stimmt - , wenn also so zwischen mir und der anderen Person Resonanz entsteht, fühlen wir uns wohl und können gedeihen.
E s e n t s t e h t B i n d u n g.
Wir hungern geradezu danach, gefühlsmässig berührt und in unserem je aktuellen Bedürfnis erkannt und verstanden zu werden. Forscher bezeichnen unser Gehirn als Bindungsorgan. Bindung bedeutet für den kleinen Menschen Sicherheit, Schutz und damit Überleben. Wenn wir – auch als Erwachsene - uns im Kontakt wohlfühlen, werden verschiedene Hormone, u.a. Glückshormone in unserem Körper ausgeschüttet, was wiederum unser Bedürfnis nach Kontakt verstärkt.

Das gilt schon für das Ungeborene. Was es für seine Entfaltung am Nötigsten braucht ist eine zugewandte Mama. Denn eine solche kann ihm ein körperliches Empfinden von Willkommensein vermitteln. Anhaltende Ängste, andauernder Stress oder Gedanken an Abtreibung können dagegen in ihm so etwas wie Todesängste erzeugen, weil sie gerade von der Person kommen, von der das Kind Verstehen und Wohlwollen erwartet.
Empfindet das Kind die Verbindung als gefährdet, kann es sich nicht vertrauensvoll „fallen lassen“, nicht angstfrei wachsen. Es muss einen Teil seiner Energie und Nährstoffe dazu verbrauchen, sich selbst so gut wie möglich zu schützen, z. B. auch vor Nikotin und Alkohol. Ungeborene scheinen auch schon Rücksicht nehmen zu können, etwa sich zu verkriechen oder sich ganz still zu verhalten, wenn sie sich – vielleicht – als lästig für die Mutter erleben.
Wenn die werdende Mutter genug körperliche und zwischenmenschliche Kraftquellen zur Verfügung hat, kann sie eigene Probleme als eigene erkennen und wird sie nicht auf ihr Baby übertragen. Dieses kann seine Umgebung dann gelassen hinnehmen und wird sie nicht als Bedrohung erleben.

Auch während der Geburt, der ersten ganz grossen und anstrengenden Veränderung im Leben des Kindes, kann die Verbindung zu ihm ge-, sein Vertrauen in seine Umwelt erhalten werden, wenn wenigstens ein Mensch im Kreissaal innerlich dafür frei ist und leise oder auch laut mit ihm über seine möglichen Empfindungen spricht. Wenn sich die Gebärende selbst wohlwollend unterstützt und verstanden fühlt, wird sie dieses Gespräch selbst mit ihrem Baby führen wollen und können. Das wünschen wir uns. Manchmal aber – etwa bei einer Not-wendenden Vollnarkose - ist das nicht möglich. Dann kann ein gut vorbereiteter und feinfühliger Vater diesen Kontakt zu seinem Kind übernehmen. Auch die Hebamme wird sich dafür verantwortlich fühlen, wenn sie nicht mehrere Geburten zur gleichen Zeit betreut.
Auch das Neugeborene fühlt sich am Wohlsten, wenn sein Erleben und seine Kontakt-Bedürfnisse wahrgenommen und beantwortet werden. Es scheint alles daran zu setzen, die Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen zu erreichen – nun sichtbarer und hörbarer als vor seiner Geburt – , durch Töne, vielleicht Schreien, Augenkontakt, Mimik, Gesten, Bewegungen, also mit seinem „sozialen Nervensystem“. Denn alle diese Sinne wollen Kontakt. ( vgl. den Text über die „Bedürfnisse des Neugeborenen“ auf dieser web-Seite).

Später krabbelt ein sicher gebundenes Kind bei Gefahr seiner Schutzperson hinterher, streckt seine Arme nach ihr aus und klammert oder kuschelt sich an ihren Körper.
Wenn es sich unsicher gebunden fühlt, hält es Abstand. Wir vermuten, das tut es, um sich vor weiteren Enttäuschungen zu schützen. Es verspannt sich, um seinen Schmerz nicht zu spüren.

Die Bedürfnisse der kleinen Kinder nach Einfühlungsvermögen und angemessenen Reaktionen einer festen Bezugsperson auf sein einmaliges Sosein, d.h. nach Resonanz ist mindestens so gross wie sein Nahrungsbedürfnis. Folglich führt der Mangel an gelingender Begegnung unvermeidlich zu starken Verlust- oder Zornesempfindungen, vielleicht aber auch zu Resignation.

Mit unseren Angeboten möchten wir Sie unterstützen, dass Sie ihren Weg der Begegnung mit Ihrem Kind finden, um sich immer sicherer im Umgang mit ihm zu fühlen.

Artikel 5)

Nach einer schwedischen Studie verändert die operative Geburt das Erbgut der Kinder

VON ANCHALEE RÜLAND

Das Baby schreit, ist wohlgenährt und auf den ersten Blick vollkommen gesund. Selbst die Geburt war nicht die erwartete Qual. Die Kleine kam 14 Tage früher als errechnet per Kaiserschnitt zur Welt. Noch ahnt die Mutter nicht, dass sie mit ihrer Entscheidung zur operativen Geburt möglicherweise den Grundstein für spätere Erkrankungen ihrer Tochter gelegt hat.

Zahlreiche statistische Untersuchungen lieferten in den vergangenen Jahren Hinweise, dass per Kaiserschnitt entbundene Kinder ein geringfügig erhöhtes Risiko für Krebs, Asthma und Diabetes aufweisen. Erste Anhaltspunkte, woran dies liegen könnte, ergab jüngst eine Studie der Karolinska-Universitätsklinik in Stockholm. Die schwedischen Forscher entdeckten feine chemische Veränderungen an der Erbsubstanz von Kindern, die durch Kaiserschnitt entbunden wurden. Neugeborene, die auf natürliche Weise den Mutterleib verließen, wiesen diese Auffälligkeiten nicht auf.

Für den Vergleich nahmen die Wissenschaftler jeweils Proben aus dem Nabelschnurblut der Babys und isolierten daraus die weißen Blutkörperchen. Anschließend analysierten sie deren DNA daraufhin, wie stark sie mit Methylgruppen besetzt ist. Bei der sogenannten Methylierung heften zelleigene Enzyme kleine chemische Moleküle an die Bausteine des Erbguts. Die Abfolge der Basenpaare wird dabei nicht verändert. Allerdings kann die chemische Prägung die Aktivität von Genen beeinflussen und mitunter sogar bewirken, dass sie gar nicht mehr abgelesen werden.

Bei den Kaiserschnittkindern war die DNA stärker methyliert als bei Kindern, die eine natürliche Geburt erlebten. Eine mögliche Ursache für die Abweichungen sehen die Forscher darin, dass die Kinder bei beiden Geburtsformen sehr unterschiedlichen Formen von Stress ausgesetzt sind.

Beim natürlichen Geburtsvorgang baut sich der Stress allmählich auf – durch wiederkehrende Wehen und das Platzen der Fruchtblase. Parallel dazu aktiviert das Kind nach und nach sein Immunsystem. Der Körper hat Zeit, sich auf die verändernde Situation einzustellen, und ist in Alarmbereitschaft. „Dagegen ist das Kind bei einem Kaiserschnitt völlig unvorbereitet. Der Stress kommt schlagartig“, erklärt Mikael Norman, Kinderarzt und Leiter der im Fachmagazin „Acta Paediologica“ veröffentlichten Studie. „Wir halten es für eine bahnbrechende Entdeckung, dass ein Kaiserschnitt die Erbsubstanz beeinflusst. Die Forschungsergebnisse könnten dazu führen, Auswirkungen der Kaiserschnittgeburt künftig aus einem ganz anderen Blickwinkel zu beurteilen.“

Die Forscher sehen ihre Studie als Beweis dafür, wie stark äußere Umstände die zentralen Steuerprogramme des Körpers beeinflussen können. Die epigenetischen Folgen eines Kaiserschnitts könnten sich auf die weitere Entwicklung und Krankheitsanfälligkeit der Kinder auswirken. Eindeutige Nachweise für diese Theorie stehen aber noch aus.

Vorerst liefert die Studie also nur Verdachtsmomente, und die sind nicht einmal besonders nachhaltig. Fragen nach der Relevanz werfen vor allem die drei bis fünf Tage nach der Geburt genommenen Vergleichsproben auf. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt zeigten die DNA-Methylierungswerte der vaginal und operativ zur Welt gebrachten Kinder keine signifikanten Unterschiede mehr.

Ein entscheidender Aspekt weiterer Forschungsarbeiten wird daher sein, aufzuklären, ob eine so kurzzeitige Deaktivierung von Genen in einem frühen Entwicklungsstadium ausreicht, um im späteren Leben zu Krankheiten zu führen. Bevor weitere Schlussfolgerungen aus den Versuchsergebnissen gezogen werden könnten, müsse zunächst die genaue Ursache geklärt werden, weshalb der Kaiserschnitt zur Methylierung der DNA führt, erläutert Norman. Zudem sei es wichtig herauszufinden, welche der vielen menschlichen Gene genau durch diesen Prozess beeinflusst werden.

© Rheinischer Merkur Nr. 34, 20.08.2009

Dr. Edith Wolber,
Pressereferentin beim
Deutschen Hebammenverband